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Dieses Thema hat 34 Antworten
und wurde 78 mal aufgerufen
 Berichte und Tipps
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a.wagner Offline



Beiträge: 420

15.03.2010 08:38
RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Hallo,

wir nutzen seit 1999 in unserer Kanzlei Spracherkennung mit unterschiedlichsten Erfahrungen und der ständigen Diskussion über die beste Effektivität von zwei Varianten:
A) Diktant diktiert in ein Diktiergerät, gibt es der versierten Schreibkraft, die es dann schreibt.
B) Diktant diktiert in eine Spracherkennung, die Text + gesprochenes Wort in einer Datei abspeichert, welche dann die Schreibkraft nur noch kontrolliert, um den Text fertigzustellen
Vom Ansatz her müsste eigentlich B schneller gehen, die Schreibkräfte meinen aber gerade bei umfangreichen Texten immer, dass diese Variante B schwieriger und vor allem langsamer sei, als selbst zu schreiben. Wir ziehen deshalb derzeit Variante A wieder vor, natürlich mit digitaler Übermittlung, was sehr praktisch ist. Die Profidiktiergeräte sind aber halt auch nicht ganz billlig.
Etwas wirklich aussagefähiges zur Effektivität solcher Spracherkennungssysteme mit Fremdkorrektur habe ich bisher nirgendwo gefunden. Zu Zeiten von ViaVoice (IBM) war das kein Problem, denn dieses System war preiswert und gut. Jetzt kann man eigentlich nur DNS Professionell nutzen, das ist allerdings eine richtige Investition, die man sich gut überlegt.
Erfahrungen dazu wären sehr interessant, im Internet habe ich dazu wenig konkretes gefunden.
Die zu überlegende Variante C) - Diktant diktiert und korrigiert selbst - kommt nicht in Frage, weil sie eine zu hohe Konzentration auf den Text erfordert und das Diktieren dann viel länger dauert. Wertvolle Arbeitszeit des Diktanten geht dadurch verloren.

Vielen Dank für Eure Beiträge

A. Wagner

DNS 15.3 Individual mit SpeechMike LFH 3510, Intel(R) Core(TM)I7-7500 CPU, 16 GB RAM, Windows 10 Pro. 64 Bit

R.Wilke Offline



Beiträge: 6.117

15.03.2010 21:34
#2 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Hallo Herr Wagner,

die - sehr interessante - Frage, die Sie da aufwerfen, ist vermutlich so alt wie die Spracherkennung, zumindest so alt wie ihre Einführung ins Berufsleben, und die von Ihnen zitierten Diskussionen kennt wohl jeder, der sich schon einmal damit beschäftigt hat.

Ich will nicht behaupten, dass ich solche Fälle wie den Ihren nicht kenne, nur zu gut, aber lassen Sie mich sagen, dass meine Erfahrungen ganz anders sind, und das nicht nur theoretisch, sondern auf meinen jahrelangen Beobachtungen im Büro beruhen.

Kurz gesagt, Variante C ist auf Dauer die effizienteste und produktivste, allerdings nicht ohne entsprechende Voraussetzungen selbstverständlich, und Variante B kann auch ziemlich erfolgreich praktiziert werden, was jedoch weitestgehend von den folgenden drei Faktoren abhängt:

(1) die Texte müssen einigermaßen sorgfältig diktiert sein, unter Beachtung der Grundregeln für das Diktat mit Spracherkennung - worauf ich jetzt hier nicht näher eingehen werde;
(2) wer die Texte später bearbeitet, muss bereit sein, die Korrekturen so durchzuführen, dass das Programm auch daraus lernt, und als technische Voraussetzung muss eine netzwerkfähige Software eingesetzt werden, wo beide Parteien auf ein- und dasselbe Profil zugreifen;
(3) beide Parteien müssen ein Grundverständnis davon haben, wie Spracherkennung funktioniert, damit sie wissen, wie sie anwenden können, und miteinander kommunizieren, damit die Erkennungsleistung im Laufe der Zeit immer besser wird und die Anzahl der Fehler sich verringert.

Was die Umstellung vom "analogen" Diktat alter Schule auf die Verwendung von Spracherkennungssoftware betrifft, wird dies in einem Zitat aus einem Zwiegespräch KnowBrainer-Forum sehr schön deutlich, das übersetzt wie folgt lautet:

"DNS ist leichter zu erlernen als auf der Tastatur zu schreiben; aber genauso wie Tippen erfordert es Selbstdisziplin. Machen wir uns nichts vor, das Programm zu erlernen kostet Mühe, Zeit und Hingabe. Wir müssen uns auch über unsere persönlichen Gewohnheiten im klaren werden und darüber, wie wir Informationen rüber bringen. In der Tat hält DNS uns den Spiegel vor und zeigt uns, wie wir denken und Material organisieren. Und anstatt frustriert oder verärgert zu sein über das, was ich auf dem Bildschirm lese, nehme ich es als Gelegenheit wahr, meine Fähigkeiten zu verfeinern, Texte zu verfassen und zu schreiben."

...

"Man sollte denken, dass ich als Anwalt, der ich seit 12 Jahren diktiere, dies gemeistert habe. Stattdessen wird mir klar, dass ich 12 Jahre lang nur schnell in ein Mikrofon gemurmelt habe, und gute Sekretärinnen mein Genuschele entziffert haben. Der Hinweis, dass DNS uns den Spiegel vorhält, hat mir sehr zu denken gegeben."

Viele Grüße
Rüdiger Wilke

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DPG 15.6 (15.60.200.015) auf Windows 10 Pro (64-bit)
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oguh Offline



Beiträge: 64

16.03.2010 06:18
#3 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Von mir ein klares Votum für B)!

Ich diktiere seit 40 Jahren in einer Menge, die früher 1,5 Damen auslastete. Bei gleichem Volumen liegt heute der Wert bei 0,5, wobei in beiden Werten Formatieren, Drucken usw. enthalten ist.

Dabei muss ich ordentlich artikulieren, damit sich die Nachbearbeitung in Grenzen hält. Ungefähr so, wie das bis Mitte/Ende der Siebzigerjahre nötig war, als noch mit Schreibmaschine und Durchschlägen gearbeitet wurde und bei mehr als einem Schreibfehler pro Seite noch einmal abgetippt werden musste.

Damals war sauberes Diktieren aus Gründen der Rentabilität und des Betriebsklimas eine Selbstverständlichkeit. Nachdem es dann die Möglichkeit gab, Geschriebenes zu speichern und nachträglich zu ändern, trat eine allgemeine Verwahrlosung der Diktiersitten ein. Nach dem Motto "nachbearbeitet wird sowieso" wurde in stark wechselnden Tempi und Fragmenten mehr auf das Band gerotzt als gesprochen. Wer so diktieren möchte, dem wird B) wenig Vorteile bringen, aber abgesehen von der Investition in die Spracherkennungssoftware auch kaum Nachteile.

Von mir verwendet wird seit etwa acht Jahren DNS professionell. Die Bürokraft vergleicht Aufzeichnung und geschriebenen Text und korrigiert ausdrücklich ohne Einbeziehung der Spracherkennungssoftware. Dies, um nicht das Benutzerprofil zu verhunzen, für dessen Pflege und Weiterentwicklung ich selbst im Rahmen des unvermeidlichen E-Mail-Verkehrs oder auch durch Forumsbeiträge wie diesen sorge.

Last but not least spricht für die Lösung B), dass inzwischen Schreibkräfte, die 3 - 400 Anschläge hinkriegen, selten sind. Die anderen tun sich leichter mit der Korrektur.

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a.wagner Offline



Beiträge: 420

16.03.2010 10:51
#4 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Hallo,

vielen Dank für die Hinweis, ich werde mich also mal konzentrieren.

Hier

http://www.qualitative-research.net/inde...le/view/418/906

hatte ich schon vor einiger Zeit eine meiner Meinung nach herstellerunabhängige Beurteilung gefunden. Das hat mich etwas frustriert in der Nutzung, weil ich immer wieder die beschriebenen Hinweise aus meinem Sekretariat habe.

Der Beitrag von oguh ist sehr interessant, weil er auf die bisherige Entwicklung hinweist. Meine beiden Sekretärinnen können übrigens sehr flott schreiben, vielleicht sind sie ja schneller als die Software. Schwierig erweist sich für mich aber weiter die Umstellung vom Diktiergerät auf die Spracherkennungssoftware. Mit dem Diktiergerät laufe ich schnell mal durch mein Zimmer um einen Gedanken zu fassen, außerdem kann ich unterwegs diktieren ohne den Rechner anzumachen. Für solche Diktate brauche ich dann die Sekretärin, weil ich noch nichts gesehen habe, das die Umsetzung halbwegs gut macht.

Aus dem Beitrag von R.Wilke entnehme ich, dass es Grundregeln für das Diktat mit Spracherkennung gibt. Allerdings muss man solche Regeln in den Handbüchern sehr suchen. Das gedruckte Benutzerhandbuch von DNS 10 umfasst 30 Seiten , ein bisschen größer als eine Postkarte im Format. Vielleicht sollt mal jemand Workshops zum richtigen Diktieren mit solcher Software anbieten. Spezialisten (zumindest Anwälte oder Richter) lernen Diktieren in ihrer berufsmäßigen Ausbildung nicht als Fach, sondern meist nur bei Beginn ihrer praktischen Tätigkeit so als learning by doing.

Oder gibt es irgendwo eine gute Zusammenfassung für diese Regeln, damit man sie autodidaktisch lernen kann?

DNS 15.3 Individual mit SpeechMike LFH 3510, Intel(R) Core(TM)I7-7500 CPU, 16 GB RAM, Windows 10 Pro. 64 Bit

JN Offline



Beiträge: 7

16.03.2010 11:01
#5 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Also, nachdem sich hier alle outen, oute ich mich gleich mit: ich bin Patentanwalt und habe daher ein bisschen andere Anforderungen an die Diktatumsetzung als die Rechtsanwaltskollegen.

Je nach Text verwende ich Version A oder B.

Hintergrund ist folgender: bei Patentanmeldungen benötigt man sehr oft (nicht unbedingt wiederkehrende) Kunstworte, bei denen es sich um heftige Komposita handelt. Und hier funktioniert das mit dem Drachen einfach nicht, weil er bei der Kompositabildung einfach viel zu erratisch ist. Trainieren bringt ebenfalls nichts, weil - wie erwähnt - stets neue Kunstworte generiert werden müssen. Da bleibt nichts anderes als das Diktat ins (digitale) Diktiergerät.

Für "Laber-Briefe" funktioniert der Drachen jedoch hervorragend.

Interessant ist auch, dass englische Patentanmeldungen deutlich weniger problematisch sind als deutsche. Hier gibt es (grammatikalisch bedingt) keine Komposita und die damit einhergehenden Probleme.

Viele Grüße
Jan Nestler

R.Wilke Offline



Beiträge: 6.117

16.03.2010 11:10
#6 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Hallo Herr Wagner,

die Studie, auf die Sie verweisen, habe ich nur mal "angelesen", sie ist aber für "unser" Thema nicht repräsentativ, wenn ich es richtig verstehe, werden Interviews mit verschiedenen Personen von der Software umgesetzt, ohne dass die Software für die jeweiligen Sprecher eingerichtet wurde, die Sprecher wahrscheinlich nicht instruiert wurden, welche Sprechweise erforderlich ist, vermutlich ohne Interpunktion und womöglich eher umgangssprachlich gesprochen haben. All das geht mit Dragon nicht - da haben Sie schon mal drei Grundregeln -, Dragon benötigt strukturierte oder auch Schriftsprache, in wohlgeformter Artikulation, und in zusammenhängenden Äußerungen diktiert, mit einem an den Sprecher angepassten Profil. (Die drei Regeln anders formuliert, und eigentlich die grundlegensten Regeln).

Wie man das bewerkstelligt, ist ein weites Feld, aber dafür wurden schon ganze Foren gegründet. Sie können sich auch professionell schulen lassen, zu welchen Konditionen, und mit welchem langfristigen Erfolg, ist immer die Frage. Nicht, dass das eine Sache von Jahren wäre, man muss nur damit anfangen.

Wenn Sie sich noch etwas gedulden, können Sie in den "Grundlagen" Schritt für Schritt nachvollziehen, wie man dahin kommt. Andere, speziell dafür geschriebene Handbücher sind mir auf die Schnelle nicht bekannt. Aber hinweisen muss man auch auf die Lernprogramme (Tutorials) unter der Hilfe, und auf die Hilfe selbst, im Grunde wird da auch alles erklärt.

Hilfreich sind auch vielleicht die Tipps unter "Was kann ich tun, damit Dragon nicht mehr so viele Fehler macht" in den FAQ. Der springende Punkt: Dragon macht gar keine, oder nur ganz selten Fehler, aber immer das, was man ihm sagt!

Viel Erfolg weiterhin
Rüdiger Wilke

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oguh Offline



Beiträge: 64

16.03.2010 12:45
#7 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Zitat von a.wagner
Hier

http://www.qualitative-research.net/inde...le/view/418/906

hatte ich schon vor einiger Zeit eine meiner Meinung nach herstellerunabhängige Beurteilung gefunden. Das hat mich etwas frustriert in der Nutzung, weil ich immer wieder die beschriebenen Hinweise aus meinem Sekretariat habe.

Der Beitrag von oguh ist sehr interessant, weil er auf die bisherige Entwicklung hinweist. Meine beiden Sekretärinnen können übrigens sehr flott schreiben, vielleicht sind sie ja schneller als die Software. Schwierig erweist sich für mich aber weiter die Umstellung vom Diktiergerät auf die Spracherkennungssoftware. Mit dem Diktiergerät laufe ich schnell mal durch mein Zimmer um einen Gedanken zu fassen, außerdem kann ich unterwegs diktieren ohne den Rechner anzumachen. Für solche Diktate brauche ich dann die Sekretärin, weil ich noch nichts gesehen habe, das die Umsetzung halbwegs gut macht.

Aus dem Beitrag von R.Wilke entnehme ich, dass es Grundregeln für das Diktat mit Spracherkennung gibt. Allerdings muss man solche Regeln in den Handbüchern sehr suchen. Das gedruckte Benutzerhandbuch von DNS 10 umfasst 30 Seiten , ein bisschen größer als eine Postkarte im Format. Vielleicht sollt mal jemand Workshops zum richtigen Diktieren mit solcher Software anbieten. Spezialisten (zumindest Anwälte oder Richter) lernen Diktieren in ihrer berufsmäßigen Ausbildung nicht als Fach, sondern meist nur bei Beginn ihrer praktischen Tätigkeit so als learning by doing.

Oder gibt es irgendwo eine gute Zusammenfassung für diese Regeln, damit man sie autodidaktisch lernen kann?



Die Studie dürfte angesichts des Fortschritts bei Soft- und Hardware schon wieder Schnee von gestern sein und auch die dagegen gerichteten Argumente des Vorredners dürften zutreffen. Trotzdem stimme ich zu,

Zitat von JN
Hintergrund ist folgender: bei Patentanmeldungen benötigt man sehr oft (nicht unbedingt wiederkehrende) Kunstworte, bei denen es sich um heftige Komposita handelt. Und hier funktioniert das mit dem Drachen einfach nicht, weil er bei der Kompositabildung einfach viel zu erratisch ist. Trainieren bringt ebenfalls nichts, weil - wie erwähnt - stets neue Kunstworte generiert werden müssen. Da bleibt nichts anderes als das Diktat ins (digitale) Diktiergerät.

Für "Laber-Briefe" funktioniert der Drachen jedoch hervorragend.



dass manche Texte wegen einer Häufung von im Vokabular nicht enthaltenen Wörtern, die darin aufzunehmen sich auch nicht lohnt, einfach nicht für Spracherkennung geeignet sind.

Über Diktierregeln sollten Sie sich keinen Kopf machen. Wenn Sie so sprechen, dass Ihre Sekretärinnen Sie verstehen, ohne sich die Aufzeichnung mehrfach anhören zu müssen, wird nach kurzem Training damit auch die Software zurechtkommen. Dieses Training leistet man fast zwangsläufig durch die E-Mail-Korrespondenz, aus der aus meiner Sicht die Spracherkennungssoftware nicht mehr wegzudenken ist. Und wenn Sie beim Diktieren gern den Schreibtisch verlassen, sollten Sie sich etwas Drahtloses zulegen.

Fazit in meinem Fall: Bei einer Stundensatzrelation von 1:7 zwischen Schreibkraft und mir lohnt sich Spracherkennung, es sei denn, es handelt sich um völlig ungewöhnliche Texte.

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R.Wilke Offline



Beiträge: 6.117

16.03.2010 14:07
#8 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Zitat von oguh
Über Diktierregeln sollten Sie sich keinen Kopf machen.



So spricht einer, und völlig zu Recht, der das Diktieren von der Pike auf gelernt hat. Bei den von Ihnen so anschaulich geschilderten unterschiedlichen Szenarien habe ich mich spontan an die krassen Abweichungen in der Qualität der Band-Diktate unseres Seniorchefs und denen der nachfolgenden Generation erinnert. Der Seniorchef wusste anscheinend auch noch, dass man die Interpunktionszeichen diktieren muss, und alles in allem wäre er für die Spracherkennung überaus qualifiziert gewesen, wäre sie früher da gewesen.

Wer diese Techniken aber nicht per se beherrscht, kann vielleicht ein paar Leitlinien ganz gut gebrauchen, und wer einmal den Test macht, mit einem frisch angelegten, also untrainierten und nicht weiter angepassten Profil ein paar einfache Sätze mit den Wörtern, die schon im Vokabular enthalten sind (dies sind immerhin etwa 150.000), im Zusammenhang zu diktieren, wird sicherlich zu dem Ergebnis kommen, dass die Spracherkennung von Beginn an schon zu 100 % genau sein kann.

Schwieriger wird es selbstverständlich immer dann, bisweilen auch unmöglich, wenn unbekannte Wörter verwendet werden. Dasselbe gilt für Abkürzungen, spezielle Formatierungen, alternative Schreibweisen usw. Einen nicht unerheblichen Teil solcher Fälle kann man durch entsprechende Anpassungen des Vokabulars in den Griff bekommen. Eine Restmenge, wo sich der Aufwand nicht lohnt, zum Beispiel bei Eigennamen, bleibt immer.

Zurück zum Thema: Mein Arbeitsstil entspricht überwiegend Variante C, ich liefere fertige, unformatierte Texte im Sekretariat ab, die dort unter Verwendung diverser Vorlagen usw. weiterverarbeitet werden. Anschließend brauche ich sie noch nicht einmal mehr zu lesen. Im Durchschnitt wird für die weitere Verarbeitung etwa 25 % der Zeit benötigt, die ich für die Texterstellung aufgewandt habe. Immer wenn ich es selbst machen muss, fällt mir auf, dass ich meistens genauso lange dafür brauche wie für den eigentlichen Text. Es ist die Frage, ob ich einfach so schnell diktieren kann, oder so unendlich langsam bin mit den Anwendungen.

Alles in allem halte ich dies für eine ausgesprochen sinnvolle und produktive Arbeitsteilung, jeder sollte das machen, was er am besten kann, Diktate abzutippen ist aber nicht mehr zeitgemäß.

Viele Grüße
Rüdiger Wilke

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oguh Offline



Beiträge: 64

16.03.2010 15:36
#9 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Zitat von R.Wilke

Zitat von oguh
Über Diktierregeln sollten Sie sich keinen Kopf machen.



So spricht einer, und völlig zu Recht, der das Diktieren von der Pike auf gelernt hat. Bei den von Ihnen so



Danke für die Blumen, aber Sie haben mein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen. Richtig lautet es

Zitat von oguh
Über Diktierregeln sollten Sie sich keinen Kopf machen. Wenn Sie so sprechen, dass Ihre Sekretärinnen Sie verstehen, ohne sich die Aufzeichnung mehrfach anhören zu müssen, wird nach kurzem Training damit auch die Software zurechtkommen. Dieses Training leistet man fast zwangsläufig durch die E-Mail-Korrespondenz, aus der aus meiner Sicht die Spracherkennungssoftware nicht mehr wegzudenken ist.


Der zweite Satz enthält das Qualitätskriterium, ohne den der erste nicht gilt. Dass dabei die Interpunktion mit diktiert wird, unterstelle ich als selbstverständlich. Ohne geht das bei komplexeren Texten nicht, egal ob Schreibkraft oder Drachen. Ebenso, dass der Diktant beiden bei der Differenzierung zwischen "dass und das" durch seine Aussprache hilft, groß Sie und groß Ihnen angibt usw.

Kurzum, wenn die Schreibkraft nach einmaligem Anhören versandfertiges Schriftgut tippt, ist der Diktand reif für den Drachen und Einsparpotenzial winkt. Wenn nicht, könnte es auch Schreibkraft liegen, was gleichfalls Anlass zur Nutzung der Software wäre.

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a.wagner Offline



Beiträge: 420

16.03.2010 17:35
#10 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Hallo,

jetzt habe ich hier eine Diskussion angeschoben, die mich doch sehr verblüfft. Meine bisherigen Erfahrungen, gerade auch mit DNS, sind nicht unbedingt so, dass ich auch nach Jahren der Nutzung von Spracherkennungssoftware sehr begeistert bin. Vielleicht liegt das ja an meiner eigenen Aussprache, weil der sächsische Dialekt für Computer vielleicht schwerer zu verstehen ist als andere Dialekte. Oder es liegt an der bisher von mir benutzten Hardware zum Diktieren, also insbesondere am Mikrofon.

Ihre Aussagen hier machen mir nun doch Mut, weiter auf Spracherkennungssoftware zu setzen und die Nutzung zu intensivieren. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass beim Diktanten mit der Spracherkennung mehr Arbeit verbleibt, als wenn man nur in ein Diktiergerät diktiert und dieses Diktat dann der Schreibkraft gibt. Ist die Spracherkennung mit mehr Geduld und genauerem Diktieren dann wirklich so gut, dass sich der Korrekturaufwand minimiert auf wenige Eigennamen oder Komposita, die das System bisher noch nicht kannte?

Entgegen den vorangegangenen Beiträgen habe ich das hier jetzt mit DNS 10.0 diktiert, was aber auch einigen Korrekturaufwand bedeutete. Ich werde mal versuchen, in den nächsten Tagen und Wochen meine E-Mails und Forenbeiträge vor allem mit Spracherkennung zu verfassen, um das Diktieren und das System noch besser zu trainieren.

Auf jeden Fall an dieser Stelle schon mal vielen Dank für die verschiedensten Informationen und Varianten, wie Spracherkennung am besten eingesetzt wird.

Alexander Wagner

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oguh Offline



Beiträge: 64

17.03.2010 06:34
#11 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Zitat von a.wagner
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass beim Diktanten mit der Spracherkennung mehr Arbeit verbleibt, als wenn man nur in ein Diktiergerät diktiert und dieses Diktat dann der Schreibkraft gibt. Ist die Spracherkennung mit mehr Geduld und genauerem Diktieren dann wirklich so gut, dass sich der Korrekturaufwand minimiert auf wenige Eigennamen oder Komposita, die das System bisher noch nicht kannte?



Solange der Diktant sich nicht mit Korrekturen befasst, besteht kein Unterschied im Zeitverbrauch, denn es ist wurscht, ob das Mikrofon einem Diktiergerät zugehörig oder an die Software angeschlossen ist.

Bei diffizilen und umfangreichen Ausarbeitungen würde ich sogar eher von einer Zeitersparnis ausgehen, denn es ist von Vorteil, den Text vor Augen zu haben. Man denke z. B. an den Fall einer Unterbrechung des Diktats durch einen Anruf oder Nachschauen in Akten oder Literatur. Da verliert man sonst leicht den Faden. Mit dem Text auf dem Bildschirm wird die Darstellung auch kürzer und prägnanter.

Was die Korrektur betrifft, darf man sich keinen Illusionen hingeben. Mehr als nur Komposita und Eigennamen wird immer anfallen, aber wie oben erwähnt sehe ich die Zeitersparnis einer durchschnittlichen Schreibkraft durch Korrigieren statt komplettem Tippen bei mindestens zwei Drittel.

DNS 11 Prof - Win7/64 Ultim - Intel Xeon W3520/12 GB - SSD Intel 160 GB

a.wagner Offline



Beiträge: 420

17.03.2010 10:08
#12 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Das heißt aber dann doch, dass der Diktant nicht nur einfach diktiert wie mit dem Diktiergerät, sondern auch in erheblichem Umfang korrigiert. Ein Stück der Zeitersparnis bei der Sekretärin wird meiner Meinung nach dann vom Diktanten selbst erbracht.
Wenn man das wirtschaftlich sieht, führt das dann dazu, dass der meist höher bezahlte Diktant Arbeit erledigt, die bisher die (geringer bezahlte) Sekretärin erledigt hat. Das mag zwar im Einzelfall nicht so sehr ins Gewicht fallen, könnte sich aber durchaus summieren. In größeren Kanzleien oder in Krankenhäusern werden ja viele Fälle bearbeitet und da kann das dann schon bedeutender werden.
Oder sind da die Erfahrungen von oguh anders? Gerade jemand wie er, der ja dann doch sehr viel Erfahrung mit Diktaten und Spracherkennung zu haben scheint, kann sich bestimmt ein genaueres Urteil erlauben.

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R.Wilke Offline



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17.03.2010 11:01
#13 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

In Fragen der Wirtschaftlichkeit können meines Erachtens keine allgemeingültigen Aussagen getroffen werden, das hängt immer auch von den individuellen Gegenbenheiten ab, die sich erst in der Praxis zeigen. Für mich habe ich heraus gefunden, dass dadurch, dass ich die Assistentin von meiner Textarbeit entlaste, sie mehr Potential bekommt, mir auf anderen Gebieten zuzuarbeiten, und mir den größten Effizienzkiller - das Telefon in meinem Fall - weitestgehend vom Leib hält. Aber, ich kann halt auch ziemlich gut diktieren, wenn ich das sagen darf, und die paar Minuten, die ich länger an meinen Texten sitze, um sie druckfertig vorbereitet und ohne weiteres Korrekturlesen meinerseits, wofür noch mal dieselbe Zeit draufgeht, fertig zu stellen, wären bei Weiterbearbeitung durch Dritte ohnehin schnell wieder verloren.

Aber, wie gesagt, jeder so wie er mag, und das theoretisch zu diskutieren ist müßig. Dieses Diskussionen haben wir im Büro jahrelang geführt, darüber, wer der effizienteste ist, und selbst der Hardliner A- und B-Typ spielt mittlerweile in der C-Liga.

Grüße
Rüdiger Wilke

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oguh Offline



Beiträge: 64

17.03.2010 11:40
#14 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Zitat von a.wagner
Das heißt aber dann doch, dass der Diktant nicht nur einfach diktiert wie mit dem Diktiergerät, sondern auch in erheblichem Umfang korrigiert. Ein Stück der Zeitersparnis bei der Sekretärin wird meiner Meinung nach dann vom Diktanten selbst erbracht.
Wenn man das wirtschaftlich sieht, führt das dann dazu, dass der meist höher bezahlte Diktant Arbeit erledigt, die bisher die (geringer bezahlte) Sekretärin erledigt hat. Das mag zwar im Einzelfall nicht so sehr ins Gewicht fallen, könnte sich aber durchaus summieren. In größeren Kanzleien oder in Krankenhäusern werden ja viele Fälle bearbeitet und da kann das dann schon bedeutender werden.
Oder sind da die Erfahrungen von oguh anders? Gerade jemand wie er, der ja dann doch sehr viel Erfahrung mit Diktaten und Spracherkennung zu haben scheint, kann sich bestimmt ein genaueres Urteil erlauben.


Irgendwie scheinen wir aneinander vorbeizureden. Nur weil Sie den umgesetzten Text betrachten können, sind Sie noch längst nicht gezwungen, selbst zu korrigieren. Sie schubsen einfach Audio- und unkorrigierte Textdatei rüber zur Schreibkraft, die sich das Ganze anhört und nach Erfordernis verbessert. Damit brauchen Sie nicht länger als mit einem ausschließlichen Diktiergerät und die durchschnittliche Schreibkraft spart Zeit, weil sie mit Hören und ein paar Korrekturen davonkommt.

Die Zeitersparnis tritt mithin bei der Schreibkraft ein und für den Diktanten ergibt sich zusätzlich das Komfortmerkmal, den Text schon während des Diktats zu sehen, wenn er das möchte.

Zu keiner Zeiteinsparung bei der Schreibkraft kommt es, wenn diese über lange Strecken extrem schnell zu Tippen in der Lage ist und/oder extrem viele Korrekturen anfallen. Jedenfalls bei mir ist beides nicht gegeben.

Zu einem Zeitmehrverbrauch beim Diktanten kommt es, wenn dieser eigentlich nur Stichworte und Konzepte zur weiteren Ausarbeitung abliefern möchte und jetzt komplette Sätze und Texte erstellen müsste. Das wäre dann aber kein Fall für die Spracherkennung, sondern einer der Delegation an einen Sachbearbeiter.

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JN Offline



Beiträge: 7

17.03.2010 12:04
#15 RE: Spracherkennung versus Schreibkraft Zitat · Antworten

Vielleicht eine ganz banale Empfehlung:
am besten einfach ein vernünftiges Diktiergerät kaufen (das sollte sinnvollerweise den DSS 2-Standard können), in das Diktiergerät diktieren, und der Schreibkraft einmal das Diktat als reine Audio-Datei geben, ein anderes Mal als "vorgetippte" Version, die zu korrigieren ist, geben. Mit einem Blick auf die Uhr und einer Nachfrage bei der Schreibkraft wird man schon herausbekommen, was die sinnvollere Variante ist.

Übrigens noch ein Gedankensplitter: selbst bei Texten bei denen die Umsetzung per Drachen aufgrund einer Unmenge von Fehlern völlig sinnlos ist (kommt bei mir - wie bereits erwähnt - regelmäßig vor), kann ein Tippen durch den Drachen durchaus sinnvoll sein. Wenn man nämlich beim Diktieren gestört wird (zum Beispiel längeres Telefonat) und den roten Faden verloren hat, dann kann man sich das (bisherige) Diktat "auf den Bildschirm holen", wenn auch mit einer großen Menge an Fehlern. Zum Verständnis reicht das jedoch in der Regel völlig aus, um den verlorenen roten Faden wieder zu finden.

Noch ein Wort zum DSS 2-Standard: Hier wird mit einer höheren Frequenz gesampelt, als dies beim DSS-Standard der Fall ist. Dadurch werden vor allen Dingen Zischlaute besser an das Spracherkennungsprogramm übergeben, was in einer besseren Erkennungsleistung resultiert. Andererseits ist der DSS-Standard von den Dateigrößen her sehr übersichtlich. Man kann solche Diktate aus auch per E-Mail verschicken (Regel: 10 min Diktat im "einfachen" DSS-Standard entspricht etwa 1 MB Dateigröße). Da für eine menschliche Schreibkraft die Qualität des DSS-Standards und des DSS 2-Standards etwa gleich ist, konvertiere ich grundsätzlich die ursprünglich erzeugte DSS 2-Dateien ins "einfache" DSS-Format und schicke letzteres.

Viele Grüße
Jan Nestler

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